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Sorandir

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Montag, 3. April 2017, 13:41

Projekt: Der pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) (Review und Testspiel "Beneath the Lily Banners 3"- jetzt mit Fotos)

Hier will ich ein neues Projekt der Kurpfalz Feldherren bischen vorstellen. Es hat schließlich lange genug gedauert, bis wir (mal) ein Projekt mit regionalem Bezug starten.
Mal sehen, wie groß es werden wird und wo wir damit am Ende landen ^^

Historischer Hintergrund:
Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) trägt viele verschiedene Namen etwa: Orléansscher Krieg, Krieg der Augsburger Allianz (War of the League of Augsburg / Grand Alliance), Krieg der Großen Allianz oder Neunjähriger Krieg. Da man hier im Südwesten besonders übel darunter gelitten hat, werd ich mal bei dem Begriff Pfälzischer Erbfolgekrieg bleiben.
(Ich habe mich schon als kleiner Junge immer geärgert, wenn wir auf Familien-Sonntagsausflügen Burgruinen in der Nähe besichtigten und fast an jeder stand: "...zerstört von französischen Truppen im Jahre 1688/89")

Auszug aus Wikipedia:
"Pfälzische Frage:
Ludwig XIV. (der sog. Sonnenkönig) versuchte die Gebundenheit des Kaisers im Türkenkrieg zur Sicherung und zum Ausbau der durch die Reunionspolitik gewonnenen französischen Gebiete auf Reichsboden zu nutzen.
Kurfürst Karl I. Ludwig, der Sohn Friedrichs V., des Winterkönigs, hatte ursprünglich beabsichtigt, das politische Verhältnis zum angrenzenden Frankreich durch die Hochzeit seiner Tochter Liselotte von der Pfalz mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des „Sonnenkönigs“, zu stabilisieren. Ludwig XIV. beabsichtigte damit eine enge politische Verbindung mit der Kurpfalz einzugehen, um seinen Einfluss im Reich zu wahren. Der Ehevertrag sah den Verzicht der pfälzischen Braut auf ihre territorialen Ansprüche im Reich vor.
Anlass für die französische Politik war der Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz, das im Heiratsvertrag nur unzureichend umschrieben war. Kurfürst Karl Ludwig hatte zwar Verfügungen in Geld und Naturalien in seinem Testament anerkannt, während der Kurfürst alle Ansprüche in seinem Testament wiederum abgelehnt und Liselotte enterbt hatte, aber Ludwig XIV. ließ dieses Testament durch das Pariser Parlement für nichtig erklären..."

Ein Blick auf mein bisher angesammeltes Referenzmaterial für diese Epoche:



Man kann vielleicht schon erkennen, dass dieser große Konflikt auch viele interessante "Nebenbereiche" hat z.B. die "Glorious Revolution" auf den britischen Inseln, die Jakobiten-Aufstäne in Schottland, die Anfänge des großen nordischen Krieges und die Türkenkriege der Habsburger gegen die Osmanen.

Wargaming:
Bis jetzt haben wir zu dritt dieses Projekt angefangen.
Maßstab der Wahl ist 15mm, da es hier bei Legio Heroica, Essex und Lurkio eine gute Auswahl an schönen Figuren gibt und sich diese Figurengröße gut für größere Gefechte und auch Schlachten eignet. Außerdem haben wir mit Field of Glory:Renaissance und Age of Honour zwei Regelwerke die wir kennen und die auch gut funktionieren.
Ich habe von meinem "Wien 1683"-Projekt schon einen Grundstock an Kaiserlichen, die ich nun ausbaue und erweitere.

Einige Bilder von meinen bisher spielbereiten Einheiten:


Dragoner, von einem Kommandanten persönlich begleitet


Zwei kaiserliche Infanterieregimenter mit Regimentsstücken


Bayrische Infanterie. In diesem Krieg waren sie noch "auf der guten Seite" ;)


Kaiserliche Kürassiere mit General


Da dieser Krieg in weiten Teilen Belagerungskrieg war, habe ich eine Sternschanze gebaut. Hier besetzt mit Infanterie und einer Artilleriebatterie


... und von vorne

Das mal soweit, ich hoffe es interessiert den ein oder anderen.
Wenn es Neues zu berichten gibt, demnächst mehr hier in diesem Theater ...
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Pappenheimer

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Montag, 3. April 2017, 14:27

Tolles Projekt. Grand Alliance oder Pfälzischer Erbfolgekrieg hat mich auch mal schwer interessiert. Leider kriegt man nur wenig Literatur auf Deutsch. August der Starke hat damit noch nichts zu tun - der war als junger Mann, d.h. bevor er Kurfürst wurde auf Grand Tour unterwegs. Der Pölli schildert das im "Galanten Sachsen". Da wäre eher der "Sächsische Mars", Johann Georg III., der richtige Mann für Dich. Das erste Mal hat August im Türkenkrieg eine Rolle gespielt und dann auch noch eine ziemlich unrühmliche.

Wie kommen denn die Soldaten aus dem Sternfort wieder raus? ;)

Die Minis sehen echt prima aus und sicher findet man auch bei euch zahlreiche spannende Gefechte direkt vor der Haustür. Heimatkalender oder ähnliches sind da immer richtig ergiebig.

Kniva

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3

Montag, 3. April 2017, 14:31

@Sorandir

Hi,
ist ja lustig, fange selbst gerade an, mich mit der Epoche zu beschäftigen. Habe mir deshalb letzte Woche den passenden FoG:R-Band gekauft und stelle - zumindest noch geistig - mir Armeen zusammen.

Ich bin bei der Regelsuche auch auf "Age of Honor" gestoßen. Das ist ja ein Ableger von "Age of Eagles". Letzteres habe ich mal gespielt und habe es auch gekauft. Ich war nur erschlagen von der Figurenmasse, die man da braucht. Außerdem ist es blöd, dass hier die Basierung so völlig abweicht von den DBX-Basierungen, auf denen ja auch die FoG-Reihe aufbaut.

Frage: Habt Ihr nach FoG:R schon mal gespielt? Ich kenne nur das alte FoG mit Schwerpunkt Antike/Mittelalter.

Gruß

Kniva

Utgaard

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4

Montag, 3. April 2017, 14:50

Sehr interessantes Thema, da warte ich doch gespannt auf mehr Bilder deiner Figuren - ich bin immer baff, was Du so in 15mm zauberst.

Und Pappenheimer hat recht, olle August hat da sächsischerseits wenig mit zu tun - und Johann Georg III. solltest Du ja von Wien her kennen 8)

waterproof

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5

Montag, 3. April 2017, 15:25

Super interessantes Thema. Habe selber nur mal kurz was drüber gelesen. Muß ja böse zugegangen sein, damals in der Pfalz. Brutales requirieren und niederbrennen von Ortschaften waren in dem Krieg wohl noch recht gängig. Der dreißigjährige Krieg war nun auch noch nicht so weit weg und mache Gewohnheit hat man nicht so schnell abgelegt.
Die Kriege des Sonnenkönigs finden nicht so viel Resonanz, überaschender Weise.
Nur nicht mein Maßstab, aber Truppen top. :thumbsup_1:

Sorandir

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Dienstag, 4. April 2017, 13:23

@ alle:
Vielen Dank schonmal für das positive Feedback :hi:
Mehr wird auf jeden Fall kommen und generell freue ich mich, das es euch gibt, die sich für das Setting interessieren, da doch sehr weit weg vom Wargaming-Mainstream.

Bzgl. August der Starke:
Ist mir schon klar, dass der im Pfälz. Erbfolgekrieg nichts beizutragen hat. Ich denke aber, seine Zeit ist zeitlich nahe genug dran, damit man mit den Figuren auch die Frühphase des GNW bespielen kann, also bevor oder während dann alle auf den Dreispitz umgestellt und die Piken weggelegt haben.
Die gezeigten Bücher sind für mich eher Referenzmaterial für sächsische Truppen im allgemeinen. Ich habe da sonst bisher noch nicht viel gefunden.
Und der starke August zieht halt doch mehr, wie der vielleicht nur bei Insidern bekannte Johann Georg III.

@ Kniva:
Ja man darf sich von den Beispiel-Szenarien bei Age of Honor nicht abschrecken lassen, was die Einheitenanzahl betrifft. Ich denke dass die Grundregeln gut sind, aber man ggfs. eine andere Mann:Figur-Ratio zugrunde legen muss, bevor man hunderte von Minis zusammen hat. Und die Regeln funktionieren m.M.n. auch bei kleineren Gefechten.
Wir haben dann immer 1 FoG-Base als 2 AoH-Basen gespielt und ggfs. noch ein paar halbe Basen als "Wechselgeld" gebaut. Das passt eigentlich schon.
FoG:R kann ich nur empfehlen (wenn es auch nicht das einfachste Regelwerk ist). Es ist gut ausbalanciert, hat ein stimmiges Punktesystem um Armeen selbst auszurechnen und liefert im Spiel die richtigen Ergebnisse.
Wir haben es sogar schon erfolgreich für den späteren WSS eingesetzt und waren sehr zufrieden damit, siehe z.B. hier:
http://www.sweetwater-forum.de/index.php…&threadID=10913

@ Waterproof:
Ich denke im TYW waren die Verheerungen dem geschuldet, dass sich die Armeen nicht anderweitig versorgen konnten, da die für die Verproviantierung notwendige Administration und Logistik (noch) nicht vorhanden war und der Krieg länger dauerte und ausufernder wurde, als es die Säckel der Kriegsführenden eigentlich bezahlen konnten.
Im Unterschied dazu waren im Pfälz. Erbfolgekrieg die Armeen eher in der Lage, nicht auf die Versorgung aus dem Land angewiesen zu sein, bzw. konnten die requirirerten Güter auch mehr oder weniger bezahlen. Weite Verheerungen gab es meist eher aus strategischen Gründen. So wollten bei dem Niederbrennen der Pfalz die Franzosen einen breiten Streifen der Verwüstung zwischen der franz. Ostgrenze und dem Rhein schaffen, durch den sich potentielle Angreifer erst einmal durchkämpfen mussten und sich keine Armee lange dort halten, geschweige denn versorgen, konnte. Durch die Sprengung vieler bis dahin noch stehenden Stadtbefestigungen und Burgen, sollte das Festsetzen eines sich zurückziehenden Verteidigers verhindert werden.
Auch wenig später im WSS sollte die Plünderung und Zerstörung weiter Teile Bayerns durch Marlborough in erster Linie den mit den Franzosen verbündeten bayr. Kurfürsten zum Kampf herausfordern und geschah nicht erstrangig aus Barbarei oder um eventuelle Defizite der eigenen Versorgung ausgleichen.
Im Endeffekt lief es natürlich immer auf das gleiche raus: brennende Häuser sowie malträtierte und vertriebene Zivilisten. Aber die Gründe für die Zerstörungen waren in diesen "zivilisierteren" Zeiten andere.
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chris6

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Dienstag, 4. April 2017, 14:24

Sehr schönes Projekt! Ich habe aus einem Tauschhandel noch ein paar Essex Packungen, die ich nicht benötige. Wenn Du mir sagst welche Codes Du benötigst, dann kann ich diese dir zum guten Preis abgeben.

Thomas Kluchert

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Dienstag, 4. April 2017, 22:06

Ganz tolle Epoche und wahnsinnig schicke Figuren - ich werde das Projekt gespannt verfolgen!

Schmagauke

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Dienstag, 4. April 2017, 23:29

Wirklich tolle Minis, freue mich auf weitere Bilder :thumbsup:
Fertige Minis 2017:
28mm gebastelt: 13
28mm bemalt: 88

Fertige Minis 2016:
28mm gebastelt: 271 Figuren
28mm bemalt: 198 Figuren
18mm: 114 Infanterie, 52 Kavallerie, 10 Kanonen, 3 Protzenwagen
6mm: 65 Infanterie, 42 Fahrzeuge
1/3000: 71 Schiffe

sven

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Freitag, 12. Mai 2017, 18:54

Da ich an diesem Projekt auch beteiligt bin, hier meine erste Einheit.



thrifles (Koppi)

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Freitag, 12. Mai 2017, 19:52

Die sind hübsch geworden Sven. :thumbsup: Sch... Engländär :diablo:
Sogar unter der Vorunion Hooligan Fahne. Unfassbar.
http://www.thrifles.blogspot.com/

http://www.dminis.com/thrifles/galleries/

" ... Artillerieeinheiten der wichtigsten Nationen (Preußen, Österreich, Russland, Großbritannien ...) sind "gefärbt". Das Holz der Kanonen ist bei den Preußen z.B. blau, weil das die Farbe der Nation im Spiel ist (grün für Russland usw.). Das alles sieht scheiße und spielzeugmäßig aus..."
Zitat aus einer Besprechung von Napoleon Total War

Dareios

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Samstag, 13. Mai 2017, 08:43

Tolles Projekt und schöne Minis. Da ich ja aus der Kurpfalz stamme ist das Thema auch für mich interessant.

Pappenheimer

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Montag, 15. Mai 2017, 14:34

Schöne Engländer. Toll auch den Farbton und die farbenfrohe Ausstrahlung der Zeit getroffen.

Hindu

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Dienstag, 16. Mai 2017, 21:04

Schönes Thema und wie immer Klasse umgesetzt! Gibts da was zur TACTICA zum mitspielen?

Sorandir

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Mittwoch, 17. Mai 2017, 10:37

Spielbericht - Flussüberquerung

Aufbaukampagne:
Um meine bisher vorhandene Figurensammlung für den Pfälzischen Erbfolgekrieg schon bischen an das Tabletop-Schlachtfeld zu gewöhnen, entstand die Idee, eine kleine (Solo ?) Aufbaukampagne für das Projekt Pfälzischer Erbfolgekrieg zu machen. Dabei möchte ich/wir mit den bereits spielfertigen Einheiten schon kleinere Gefechte ausspielen, bevor dann genug Material vorhanden ist, um große Schlachten schlagen zu können.

Szenario-Hintergrund:
Irgendwann im Jahre 1689/90: die Zerstörung der Pfalz durch französische Truppen ist schon weit fortgeschritten. Die Franzosen halten einige starke Festungsstädte (z.B. Phillipsburg und Landau) besetzt, ziehen sich aber langsam Richtung Frankreich zurück. Die Reichsarmee und die Kaiserlichen nutzen dies um langsam nachzurücken.
In diesem Szenario plant ein kaiserliches Korps mit sächsischer Unterstützung, über einen Nebenarm des vielverzweigten Rheins auf das linke Rheinufer überzusetzen.
Sie haben hierzu Boote herbeigeschafft und hoffen eine unbewachte Stelle gefunden zu haben.
Unglücklicherweise lagert unweit des anderen Ufers ein französischer Trupp, der sogar Teile der Gardetruppen beinhaltet. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, eilen die Franzosen zum Fluss, um die Überquerung zu verhindern.

Die Armeen:
Frankreich:
1 Truppenkommandant
2 Regimenter Linieninfanterie (Garde Francaise und Garde Suisse)
1 Regiment Linieninfanterie (regulär)
1 Regiment Linienkavallerie (regulär)

Reichsarmee / Kaiserliche:
2 Truppenkommandanten
3 Regimenter Linieninfanterie (regulär)
2 Regimenter Kürassiere (regulär)
1 Regiment Dragoner (regulär)
1 Regiment sächsische Linienkavallerie (Rekruten)
1 Batterie Feldartillerie
3 Boote

Anmerkung: Um ihre numerische Unterlegenheit etwas auszugleichen, wollte ich zwei Einheiten der Franzosen in überlegener Qualität haben.
Das ich (noch ?) keine richtigen Franzosen habe, stimmen bei den Garderegimentern nur die Uniformfarben. Aufschläge und sonstiges Gebamsel sind höchstwahrscheinlich nicht in den richtigen Farben bemalt.

Das Spiel:
Ich habe das Szenario als kleines Solo-Szenario gespielt.
Figurenmaßstab: 15mm
Hersteller: Essex und Legio Heroica
Regelsystem: Field of Glory Renaissance
Szenario-Idee aus dem Buch: The Partizan Press Guide to Solo Wargaming

Anfangsaufstellung:
Die Franzosen marschieren geschlossen von rechts. Links rücken die Kaiserlichen in zwei langen Kolonnen dem Flussufer zu. Die sächsischen Rekruten-Kavalleristen (oben links) reiten auch zögerlich vor. Sie sollen aber nicht schon bei den ersten Angriffswellen dabei sein; zu unsicher ist sich der kaiserliche Kommandant ihres Kampfgeistes.




Die kaiserlichen Dragoner besteigen bald als erstes die Boote und setzen über, im Angesicht der Feinde (Garde Suisse in rot Mitte links, Garde Francaise in blau Mitte, franz. Linienkav. rechts).

Die Franzosen kommen schon bald in Reichweite der kaiserlichen Artillerie und haben schnell erste Verluste. Aber danach wird das Artilleriefeuer ungenauer.
Um den Kanonenbeschuss auf sich zu ziehen und von der wertvollen Garde abzulenken, bleibt das reguläre franz. Infantrieregiment am anderen Flussufer vor der Batterie stehen und harrt sehr lange unter dem Dauerbeschuss aus.
Die übrigen franz. Regimenter formieren von der Marschkolonne in Kampfformation um.





Die Dragoner sind angelandet. Sie lassen sich aber nicht auf ein ungleiches Feuerduell mit der französischen Garde ein, sondern bewegen sich nach Süden, um aus der französischen Reichweite zu kommen und Platz für die nachfolgenden Landetruppen zu machen.

Kaiserliche Kürassiere landen als nächstes, sind aber vom dem Verlade-Vorgang noch ungeordnet.
Sie überstehen den anschließenden französischen Beschuss recht gut und greifen, um weiterem Beschuss zu entgehen, die gegnerische Linienkavallerie an. Der Kampf wogt so lange hin und her, bis die Garde Francaise den Kürassieren in die Flanke fallen kann.
Dann geht alles schnell: die Kürassiere brechen, fliehen durch die Dragoner und bringen diese in Unordnung.


Siehe Bild: zum Ufer fliehende Kürassiere mitte unten, links davon die wankenden Dragoner gegen die franz. Linienkavallerie.



Die nachsetzende franz. Linienkavallerie bricht in die Dragoner und reibt auch diese auf. Kürassiere und Dragoner fliehen zum Fluss und werfen sich in die Fluten, hart verfolgt von der französischen Kavallerie. Alle Kaiserlichen die sich nicht schwimmend retten können, werden am Ufer von den Franzosen niedergemacht oder ertrinken.
Auf einen Schlag haben die Kaiserlichen zwei volle Einheiten verloren und das Flussufer scheint französisch zu bleiben.

Mit zwei weiteren Booten landet die zweite kaiserliche Kürassiereinheit an. Auch sie wird von einem Kommandanten persönlich geführt. Sie geht der Garde Francaise aus dem Weg und nimmt die Verfolgung der französischen Kavallerie auf. Der Beschuss der Garde Francaise auf lange Reichweite kann den Kürassieren nichts anhaben.
Die Kavallerie der Franzosen kann sich noch der neuen Bedrohung zuwenden, als die Kürassiere auch schon angreifen.
Diesmal können die Kürassiere schon in kurzer Zeit einen Vorteil erringen, die französischen Reiter beginnen nachzugeben.

Ungeachtet dessen landen als nächstes einige Kompanien der ersten kaiserlichen Infantrieeinheit, zusammen mit einem Kommandanten. Sie nehmen die Garde Francaise zwar nur unter schwachen Beschuss, aber offensichtlich sind diese noch sehr erschöpft vom Nahkampf und geraten sofort in Unordnung.

Weitere gelandete Kaiserliche und auch die Artillerie konzentrieren ihr Feuer auf die Garde Francaise. Diese hält dem Beschuss stand, verliert aber viele Männer.

Trotz leichter Unordnung und Unterzahl geht die Garde Francaise die kaiserliche Infantrie im Nahkampf an. Wegen ihrem besonderen Elán sind die Franzosen den Kaiserlichen im Angriff etwas überlegen, was den Nachteil der Unordnung ausgleicht. Beide Seiten fechten ohne besonderen Erfolg, während der Rest des kais. Regimentes anlandet und sich der kämpfenden Einheit anschließt.

Im Reitergefecht flussaufwärts kippt plötzlich die Waagschale, als die Kürassiere den Nahkampf leicht gewinnen und ein miserabler französischer Moraltest die Linienkavallerie zur Flucht zwingt. In kopfloser Panik galoppieren die Franzosen vom Schlachtfeld und zerren ihren zappelnden und schreienden Befehlshaber gleich mit.
Von nun an können die Franzosen keine im Spiel verlorenen Moralstufen mehr sammeln.


Im Handgemenge der Infanterie kann keine Seite die Oberhand gewinnen. Aber die Zeit arbeitet gegen die Franzosen, da so die siegreichen Kürassiere umschwenken und in Flanke und Rücken der Garde reiten können.


Trotz großem Opfermut muss die Garde Francaise schließlich der gegnerischen Überzahl nachgeben und ergreift die Flucht.

Wie man sieht landen immer mehr Kaiserliche am jenseitigen Flussufer. Die Boote benötigen 2 Runden für die Überfahrt und werden dabei jeweils 2 Zoll von der Strömung abgetrieben. (Witzig: ich merke eben erst beim Schreiben, dass ich die Boote in die falsche Richtung, nämlich stromaufwärts habe abtreiben lassen *gg*).

Die schweizer Garde macht sich in der 2.Linie bereit, da die Flucht der Garde Francaise spätestens mit dem Angriff der Kürassiere absehbar wird.


Das reguläre französische Linienregiment (unten) schmilzt langsam unter dem Artilleriebeschuss zusammen (Batterie am oberen Bildrand), gibt schlussendlich nach und flieht.


Die Garde Suisse (links oben) gerät auf dem Weg zu ihren Gegnern in das konzentrierte Feuer von Musketen und Kanonen. Ihr nachfolgender Angriff wird deshalb nur schwach vorgetragen, die kaiserliche Infantrie hält stand. Die Schweizer werden ausflankiert und bald fallen die frei umherstreifenden Kürassiere den Schweizern in den Rücken. Von allen Seiten bedrängt und geschlagen, legen die schweizer Gardisten ihre Waffen nieder und ergeben sich.


Das Gefecht ist vorbei. Ein kleiner kaiserlicher Brückenkopf am linken Rheinufer wurde errichtet. Der Hauptstoß soll über die Brücke bei Mannheim, auf die Rheinschanze erfolgen.
Wir werden sehen, wie es weitergeht ...

Fazit:
Das Spiel war unerwartet spannend. Als die 1.Kürassiere und die Dragoner von der franz. Kavallerie in den Rhein getrieben wurden, sah es so aus, als ob die Sache für die Kaiserlichen gelaufen wäre. Aber der glückliche Ausgang des anschließenden Nahkampfes der 2.Kürassiere mit der franz. Kavallerie, die dann mitsamt dem einzigen franz. Befehlshaber von Schlachtfeld floh, änderte den Verlauf des Gefechtes. Die Garde Francaise war durch ein paar kaiserliche Sonntagsschüsse, gefolgt von erbärmlichen Moraltests, zu diesem Zeitpunkt bereits ungeordnet und konnte ohne Befehlshaber auch nicht mehr gesammelt werden. Dadurch war es den Kaiserlichen möglich, durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit den Gegner langsam abzunutzen und das Gefecht zu gewinnen.


@ Hindu:
Über das TACTICA-Projekt 2018 ist noch nicht entschieden. Ich denke aber, dass dieses hier bestimmt dann unter den möglichen Favoriten sein wird ^^

@ Sven: Schicke Engländer. Hast du das Regiment nach einem bestimmten Vorbild bemalt ? Grüne Aufschläge hatten zumindest im WSS das Regiment "Queen Dowagers"
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Sorandir« (17. Mai 2017, 10:46)


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Mittwoch, 17. Mai 2017, 11:31

Schöner Bericht. Eine defensive Position ohne Artillerieunterstützung zu verteidigen ist schon sehr fies. Eine nahe Verteidigung am Fluss schloss sich von daher ja schon von Anfang an aus. Der französische General, der so was unternahm, muss schon - Garde hin oder her - als ziemlich verwegen gelten. Naja, ist ja auch spätes 17.Jh. und nicht Mitte 18.Jh..

Spielen motiviert ungemein beim Armeeaufbau. :thumbup:

"Baroque" scheint ja momentan als Regelwerk für den Zeitschnitt ziemlich in Mode zu sein. Aber warum nicht ein vertrautes, bewährtes Regelwerk hernehmen?

Das Szenario finde ich ganz schön. Dieser Rheinübergang ist doch ein Evergreen. Die Jungs damals haben das auch unzählige Male gemacht. Bei Dir sehe ich lediglich sehr ungleiche Gewinnchancen bei der Kräfteverteilung. Vielleicht 30% bei den Franzosen, 70% bei Alliierten.

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Dienstag, 23. Mai 2017, 09:20

Danke für deine Analyse.
Interessanterweise ist in dem Original-Szenario tatsächlich auch Artillerie für den Verteidiger (d.h. hier: die Franzosen) vorhanden. Hatte aber noch keine zweite Batterie angemalt und wollte nicht proxen. Daher gabs nüscht für die Franzen :P

"Baroque" kenne ich nicht. Wenn du damit die Impetus-Erweiterung meinst: ich wüsste nicht, dass die hierzulande irgendwo gespielt wird.
In Frankreich oder Italien mag das natürlich anders sein.

Zitat

Bei Dir sehe ich lediglich sehr ungleiche Gewinnchancen bei der Kräfteverteilung. Vielleicht 30% bei den Franzosen, 70% bei Alliierten.

Ich würde es nicht so deutlich unterschiedlich sehen, da die Verteidiger ja therorethisch den Vorteil haben, fertig aufgebaut auf einen tröpfchenweise eintreffenden Gegner losgehen zu können.
Wie auch immer: das ist natürlich ein großer Vorteil von Solo-Wargaming, dass man auch krass unausgewogene Spiele machen kann, ohne ab der 2.Runde schon einen maulenden, nörgelnden, weil unterlegenen, Mitspieler zu haben ^^
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sven

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Dienstag, 23. Mai 2017, 10:40

@ Sorandir
Als Vorlage habe ich Kirke's Regiment genommen, da ich hier die Fahne habe. Muss ich noch nachmalen und dann kommt sie dran.

waterproof

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Dienstag, 23. Mai 2017, 14:13

ein sehr unterhaltsamer und schön bebilderter Spielbericht aus einer sehr interessanten Epoche. Danke dafür :hi:

Sorandir

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Sonntag, 1. April 2018, 21:52

Fast schon wieder ein Jahr her, dass es hier was zu schreiben gab... :blush2:

Review: Beneath the Lilly Banners 3: War of three Kings
Regelwerk für den Neunjährigen Krieg 1688-1697 und hier insbesondere den Krieg in Irland




Mehr oder weniger pünktlich zur diesjährigen TACTICA 2018 war die Vorabversion des o.g. Regelwerkes von der League of Augsburg fertig und wurde dort auch präsentiert.

Ich persönlich konnte zwar nicht mitspielen, aber das Feedback der Clubkollegen war positiv.

Da ich schon die Fortschritte seit längerer Zeit verfolge, wusste ich dass einige Mechanismen von Donnybrook übernommen wurden, ein Regelsystem das ich sehr gerne spiele und wegen seiner Flexibilität und Einfachheit mag.

Also haben wir bei den Vorbestellungen mitgemacht und kamen am 28.03.2018 auch dazu, ein Testspiel zu machen. Figuren für den Zeitraum den das Regelwerk abdeckt, haben wir in 15mm vorrätig. Das ist zwar nicht die Standard-Figurengröße des Regelwerkes (28mm) ließ sich aber ohne Schwierigkeiten verwenden.

Das Regelsystem beschränkt sich in erster Linie auf den Krieg in Irland und bezieht sich auf die drei Könige Ludwig XIV. von Frankreich genannt der „Sonnenkönig“, König James II. und König Wilhelm III. von Oranien, nach der sog. Glorious Revolution.

Es ist aber flexibel genug, dass es wohl für alle Konflikte ab der Mitte des 17.Jahrhunderts bis ca. Ende 1720 verwendet werden kann.


Das Buch:

Es handelt sich um ein Hardcover mit stattlichen 184 Seiten. Auffällig ist eine mit vielen wunderschönen Figurenbildern aufgemachte Ausstattung. Allerdings ist der Fließtext ein wenig sperrig zu lesen. Man merkt m.M.n., dass es trotz allem ein Machwerk von Spielern ist, nicht von professionellen Regelschreibern und Textsetzern. Vor allem Tabellen im Querformat nerven, wenn man das Buch drehen muss. Glücklicherweise sind diese Tabellen im herunterladbaren Referencesheet im Hochformat gedruckt.

Trotz aller Brillianz sind die Figurenbilder in der Masse doch schon recht bekannt und dadurch fast ein wenig eintönig, da sie alle vom Autorenduo stammen. Auf ihrem Blog, im Donnybrook-Regelwerk und in diversen Wargames-Zeitschriften waren sie schon hinreichend zu bewundern. Ein paar Bilder von anderen Spielern/Malern wäre abwechslungsreicher.

Wobei das natürlich schon Gejammer auf sehr hohem Niveau ist.


Die Regeln:

Ich finde das Regelbuch mit den genannten Einschränkungen recht gut lesbar und verständlich. Die Kapitel sind logisch aufgebaut und relativ leicht zu finden. Allerdings fehlt ein Stichwortverzeichnis, was bei speziellen Fällen dann doch lästiges Blättern nach sich ziehen kann.

Es gibt keine Armeelisten, wobei bekannt ist, dass die Autoren solche nicht besonders mögen. Sie stellen ihre Truppen gerne nach historischen oder fiktiven Gefechten und Szenarien auf. Es gibt aber ein rudimentäres Punktesystem, so dass man wenigstens beide Seiten halbwegs ausbalancieren kann.

Auch Szenarien sind nicht enthalten, was ich persönlich jetzt nicht vermisse, da ich auf den üblichen Aufwasch der offenen Feldschlacht, Last Stand oder einem Durchbruchs-Szenario verzichten kann.

Was positiv auffällt, ist die Liebe zum Detail für viele Situationen. Es gibt Optional-Regeln für Mörser, Beschuss von Festungen und Schiffen, Pelotonfeuer, gepanzerte Kavallerie, etwas in Brand schießen, Munitionsnachschub, spanische Reiter, Faschinen, Sturmleitern, Straßenkämpfe etc. pp.

Man merkt, dass die Autoren ein universelles Regelwerk haben wollten, das ohne Hausregeln wahrscheinlich für (fast) jedes Szenario verwendet werden kann.

Auch scheint immer wieder die langjährige Spielerfahrung durch und wie manche Sachen im Hinblick auf gute Spielbarkeit umgesetzt wurden.

In anderen Teilen sind die Regeln aber auch ein gutes Stück altmodisch. So gibt es zum Beispiel Situationen für Viertel-Züge, etwas, das ich seit WRG 6.Ed. nicht mehr gelesen habe.



Das Spiel:

Es gibt keine vorgeschriebene Armeegröße. Eine Linieninfanterie besteht im 28mm Maßstab aus 3 Basen mit 6 Minis, also 18 Figuren, Kavallerie hat 2 Basen mit 3 Reitern, also 6 Minis.

Wir hatten pro Seite 3-4 Kanonen und drei Brigaden mit jeweils 2-4 Einheiten, jeweils mit Brigadekommandeur und einem sog. Supreme Commander.

Es ist also schon ein richtiges Rank&File System und daher auch normalerweise entsprechend figurenintensiv.

Eine nette Idee ist, dass man vor der Schlacht die Fähigkeit seines Oberkommandierenden auswürfelt, was dazu führt, dass ein schlechterer Kommandant weniger Einheiten pro Spielzug mit Befehlen ausstatten kann. Die Anzahl an Befehlen wird prozentual zur Anzahl der vorhandenen Einheiten ermittelt, was späterhin zu längerem Kopfrechnen und schlussendlich zum Einsatz eines Taschenrechners führte.

Wir nutzen die Schuss- und Bewegungsweiten für 28mm, welche uns jetzt aber auch für 15mm nicht sehr falsch vorkamen.

Ein aus Warhammer-Tagen bekanntes Feature ist das verbotene pre-measurement beim Angriff und schießen, d.h. man muss sorgfältig die Entfernung schätzen, wenn man sein wertvolles First Fire nicht auf längere Reichweite verschwenden will.

Dies bringt ein paar interessante Entscheidungen: schieße ich früh und verballere mein First Fire evtl. auf ineffektive Reichweite, oder schieße ich nicht und habe später evtl. so viele Verluste, dass meine erste Salve auch nicht mehr ihre Maximalwirkung entfaltet.

Die Faktoren kamen uns jetzt im ersten Spiel eher komplex vor, da sie eine Kombination aus Boni/Mali auf das Wurfergebnis, aber auch Bonuswürfel oder Abzug bei der Anzahl der zu werfenden Würfel sind.

Gegen Spielende kamen wir aber immer schneller und besser mit den Trefferwurf- und Moraltabellen klar. Es darf also spekuliert werden, dass man das sich bei häufigerem Spielen vielleicht doch recht schnell aneignet, zumal die absolute Anzahl an Modifikatoren jetzt nicht besonders groß ist. Die Qualität der einzelnen Einheiten wird in erster Linie durch unterschiedliche Würfel dargestellt (Rekruten W6, Reguläre W8, Veteranen W10, Elite-Veteranen sogar W12).


Unser Testspiel:

Das Spiel an sich verlief wenig spektakulär. Ich führte die Kaiserlichen zusammen mit Svens Briten gegen die Franzosen, die von Tabris und rikgrund kommandiert wurden.


Die Anfangsaufstellung, rechts die Grande Alliance, links die Franzosen. Die Zinnmarker sind die erteilten Befehlsmarker.


Links hatten die Franzosen eine gute Defensivstellung gegen meinen Reiterflügel, da sie Dragoner im Wald, Miliz-Pikeniere auf der Fläche und Schützen in einem ummauerten Feld hatten. Rechts meine 4 Kürassier-Schwadrone.

Da konnten meine Kürassiere wenig erreichen und ich verlor auch 2 ½ Schwadrone ohne nennenswerte gegnerische Verluste.


Im Zentrum hatten beide Seiten ihre Linieninfanterie. Mangels Befehlen mussten wir stehen bleiben, während die Franzosen heranrückten. Das führte sie aber nur in die Reichweite unserer Kanonen und als sich die Musketenschützen mit First Fire auf effektive Reichweite beharkten, litten die Franzosen mehr. Trotzdem gab es auch hier keinen Durchbruch.

Die Entscheidung brachten die Briten unter Svens Kommando, als sie mit Furie die wenige französische Reiterei zurückwarfen und dann zerlegten...


Britische Kavallerie zerlegt ihre französischen Gegner.


...während die britischen Geschütze und Dragoner die Veteranen der Garde Suisse zusammenschossen.

Da die Briten so in der Position waren, von der Flanke das französische Infanteriezentrum zu bedrohen, während unsere Infanterie stabil davor stand, beendeten wir nach ca. 4 Std. das Spiel mit einem klitzekleinen Sieg für die Grande Alliance.


Fazit:

Ein Regelsystem mit viel Liebe zum Detail und Hingabe zu dem abgedeckten Konflikt.

In Teilen vielleicht etwas sperrig, aber wahrscheinlich nach mehrmaligem Spielen wesentlich flüssiger.

Viele schöne Figuren- und Geländebilder für das Setting, die schon fast den Kauf rechtfertigen.

In Armeegröße aber kein besonders schnelles Regelsystem und wahrscheinlich nur mit wenigen Einheiten (z.B. 1 Brigade mit 2-4 Einheiten) was für „mal schnell zwischendurch“ also generell weniger Beer&Pretzel-tauglich.

Der Preis von 30-40 Euro liegt im Rahmen der üblichen Konkurrenz (z.B. Black Powder, Pike&Shotte).

Wegen dem sehr eingeschränkten Setting in erster Linie vermutlich hauptsächlich für Liebhaber der Epoche interessant.

Alles in allem brachen jetzt keine Begeisterungsstürme für das Regelsystem aus. Aber es war einheitliche Meinung, dass es verdient, öfter bespielt zu werden. Vielleicht das nächste mal im spanischen Erbfolgekrieg oder Großen Nordischen Krieg... Figuren sind vorhanden, fehlt nur noch Zeit für den nächsten Spieltermin.
- Kurpfalz Feldherren -
www.kurpfalz-feldherren.de

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